#mojfeminizm #meinfeminismus #myfeminism


Einmal hat jemand zu mir gesagt, dass Frauen kleinere Gehirne als Männer hätten.

Diese Aussage kam nicht von einem Mann, sie kam von einer Frau, die mich auf der Grundlage dieser Erkenntnis über die “untergeordnete Rolle” der Frau in der gesellschaftlichen Hierarchie aufzuklären vermochte. Mit diesem anatomischen Unterschied soll also alles geklärt sein? Meine Rolle als Frau in der Beziehung, in der Familie, in der Gesellschaft? Im Beruf? Im politischen Geschehen? Darf ich – dürfen wir Frauen – noch überhaupt über unsere reproduktive Rechte entscheiden? Oder dürfen unsere Körper enteignet werden?

Es ist befremdlich und bedauerlich, dass viele Frauen, mich eingeschlossen, sich solchen Fragen in Europa der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts stellen müssen. Mit der Zunahme der ultrakonservativen und rechtspopulistischen Tendenzen gehören aber auch konkrete Versuche, unsere Rechte einzugrenzen und die Errungenschaften der feministischen Bewegung zu revidieren, zum Alltag.

In meinem Mikroprojekt möchte ich in erster Linie mit polnischen und deutschen Frauen über (ihren) Feminismus sprechen – Frauen verschiedenen Alters, Bildungsgrades, mit oder ohne Migrationsgeschichte.  Was mich dabei interessiert sind ihre persönlichen Erfahrungen. Ich möchte eine kleine Bestandsaufnahme im Rahmen von kurzen Interviews durchführen, die einen ersten Überblick über die verschiedenen Facetten des “Wortes mit F” gibt. Es bedarf nämlich keine langen Recherchen um festzustellen, dass “Feminismus” in Deutschland und Polen kaum unterschiedlicher rezipiert und gelebt werden können. Während hierzulande sich viele Frauen problemlos als “Feministin” bezeichnen, und dadurch keine negativen Reaktionen ernten (erleben?), sieht die Lage in Polen diametral anders aus. Davon nicht ausgenommen ist die polnische Community in Deutschland. Polnisch-stämmige Frauen, genauso wie viele Frauen in anderen Migrantinnen Communities, kennen Ihre Rechte nicht, wissen nicht wie sie aus kulturellen und weltanschaulichen Kreisen ausbrechen können. Vielmehr aber ist für sie “Feminismus” mit schlechtem Image behaftet. Für andere Polinnen und Migrantinnen kann aber gerade ihre Migrationserfahrung der Trigger sein, um über Ihre Rolle als Frau in beiden Länder zu reflektieren, und einen Dialog darüber zu suchen.

Ich habe diese Motivation im Rahmen vom Mentoringprogramm “PolMotion-Bewegung der polnischen Frauen” gefunden und freue mich auf regen Austausch.